Wenn die Tage kürzer werden, stellt sich auch das Pferd auf die kalte Jahreszeit ein. Das leichte Sommerfell weicht nach und nach einem dichteren Winterfell. Was von außen ganz selbstverständlich aussieht, bedeutet für den Organismus einiges an Arbeit.Das Bild zeigt ein Pferd im Fellwechsel beim Putzen

Für die Bildung neuer Haare benötigt der Körper unter anderem Eiweiß beziehungsweise Aminosäuren sowie verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente. Gerade während des Fellwechsels lohnt es sich deshalb, Fütterung, Allgemeinzustand und Fellqualität etwas genauer im Blick zu behalten.

Warum der Fellwechsel den Körper fordert

Pferdehaar besteht überwiegend aus Keratin, einem Strukturprotein. Damit der Körper neues, gesundes Haar bilden kann, muss er ausreichend mit den dafür notwendigen Nährstoffen versorgt sein. Dazu gehören neben hochwertigem Eiweiß insbesondere Spurenelemente wie Zink und Kupfer.

Gleichzeitig verändert sich im Herbst häufig der gesamte Alltag des Pferdes. Die Weidesaison geht langsam zu Ende, die Qualität des Grases nimmt ab und Raufutter gewinnt wieder stärker an Bedeutung. Je nach Haltungsform, Bewegung und Witterung kann sich außerdem der Energiebedarf verändern.

Pferde, die viel draußen stehen, benötigen bei kalter und nasser Witterung unter Umständen mehr Energie zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur. Bei anderen Pferden nimmt mit dem Ende der Weidesaison dagegen die Bewegung ab. Eine pauschale „Herbstfütterung“ für jedes Pferd gibt es daher nicht.

Welche Nährstoffe jetzt wichtig sind

Eine ausgewogene Versorgung bildet die Grundlage für Haut, Fell und Stoffwechsel. Einige Nährstoffe spielen dabei eine besondere Rolle:

Nährstoff Bedeutung
Zink Beteiligt an zahlreichen Stoffwechselprozessen und wichtig für Haut, Haare und Hufe
Kupfer Spielt unter anderem bei der Pigmentierung sowie bei verschiedenen Stoffwechselprozessen eine Rolle
Mangan Wird für verschiedene Enzym- und Stoffwechselprozesse benötigt
Selen Bestandteil des antioxidativen Schutzsystems; sollte bedarfsgerecht gefüttert und nicht überdosiert werden
Biotin Spielt eine Rolle im Stoffwechsel von Haut und Horn
Omega-3-Fettsäuren Können eine ausgewogene Versorgung mit essenziellen Fettsäuren ergänzen

Wichtig: Einzelne Mineralstoffe und Spurenelemente sollten nicht einfach „auf Verdacht“ hoch dosiert werden. Auch eine Überversorgung kann problematisch sein. Entscheidend ist immer die gesamte Ration.

So können Sie Ihr Pferd im Fellwechsel unterstützen

Die Basis: ausreichend gutes Raufutter

Hochwertiges Raufutter bildet die Grundlage der Pferdefütterung. Es liefert nicht nur Nährstoffe, sondern beschäftigt den Verdauungstrakt über viele Stunden und unterstützt eine pferdegerechte Fütterung.

Gerade beim Übergang von der Weide- zur Winterfütterung sollte deshalb auf eine ausreichende und zum Pferd passende Raufutterversorgung geachtet werden.

Mineralfutter passend zur Gesamtration auswählen

Ein geeignetes Mineralfutter kann Versorgungslücken schließen. Welches Produkt und welche Menge sinnvoll sind, hängt jedoch von der übrigen Fütterung ab.

Wer es genauer wissen möchte, kann die Ration berechnen lassen. Eine Analyse des verwendeten Heus kann zusätzliche Informationen darüber liefern, welche Nährstoffe bereits ausreichend vorhanden sind und wo möglicherweise Ergänzungsbedarf besteht.

Das Bild zeigt ein Pferd mit verschiedenen Ergänzungsfuttern für die Unterstützung beim FellwechselErgänzungsfutter gezielt einsetzen

Leinsamen, Leinöl, Bierhefe oder spezielle Ergänzungsfuttermittel für Haut und Fell werden während des Fellwechsels gerne eingesetzt. Sie sollten jedoch die ausgewogene Grundversorgung ergänzen und nicht ersetzen.

Zeigt das Pferd auffällig stumpfes Fell, Hautprobleme oder andere Veränderungen, sollte außerdem nicht automatisch von einem Nährstoffmangel ausgegangen werden. In solchen Fällen ist eine fachliche beziehungsweise tierärztliche Abklärung sinnvoll.

Wasser nicht vergessen

Auch wenn die Temperaturen sinken, benötigt das Pferd jederzeit Zugang zu frischem und sauberem Wasser. Gerade mit zunehmender Heufütterung bleibt eine ausreichende Wasseraufnahme besonders wichtig.

Bewegung und Pflege gehören dazu

Regelmäßige Bewegung unterstützt den gesamten Organismus und gehört auch im Herbst zu einem gesunden Pferdealltag.

Und dann wäre da natürlich noch die ganz praktische Seite des Fellwechsels: putzen, putzen und noch einmal putzen. Regelmäßiges Bürsten entfernt lose Haare, massiert die Haut und bietet gleichzeitig eine gute Gelegenheit, Fell und Haut genauer anzuschauen.

Kräuter im Fellwechsel: sinnvolle Ergänzung?

Brennnessel, Hagebutte, Löwenzahn und andere Kräuter finden sich häufig in Ergänzungsfuttermitteln für Pferde. Sie können Abwechslung in die Ration bringen und liefern je nach Pflanze unterschiedliche Inhaltsstoffe.

Von pauschalen Aussagen wie „entgiftet die Leber“ oder „regt den Stoffwechsel an“ sollte man allerdings Abstand nehmen. Auch pflanzliche Produkte sollten gezielt ausgewählt und entsprechend der Fütterungsempfehlung eingesetzt werden. Bei Erkrankungen oder einer dauerhaften Gabe empfiehlt es sich, Rücksprache mit Tierarzt oder Fütterungsberatung zu halten.

Nicht jedes Pferd braucht Extra-Futter

Der Fellwechsel allein ist noch kein Grund, zahlreiche Zusatzprodukte zu füttern. Ist die Grundration ausgewogen und das Pferd bedarfsgerecht mit Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt, bringt es grundsätzlich gute Voraussetzungen für einen normalen Fellwechsel mit.

Ein genauer Blick lohnt sich trotzdem: Verliert das Pferd an Gewicht? Wirkt es ungewöhnlich müde? Ist das Fell auffällig stumpf oder verändert sich die Haut? Solche Beobachtungen können Hinweise darauf geben, dass Fütterung oder Gesundheitszustand genauer überprüft werden sollten.

Gut durch den Fellwechsel

Der Wechsel vom Sommer- zum Winterfell gehört zum natürlichen Jahresrhythmus des Pferdes. Mit ausreichend Raufutter, einer bedarfsgerechten Mineralstoffversorgung, frischem Wasser, Bewegung und regelmäßiger Pflege können Sie Ihr Pferd in dieser Zeit sinnvoll begleiten.

Und wenn beim Putzen gefühlt schon wieder ein halbes Pferd auf dem Boden liegt? Dann heißt es meist einfach: Bürste schnappen und weitermachen. Das Winterfell ist schließlich schon auf dem Weg.